Immer wieder erleben wir, dass in Marburgs Hanglagen ein reines Rammkernbohrprofil bestellt wird – und dann beim Aushub die Überraschung kommt: eine weiche Tonschicht in 4 Meter Tiefe, die im Bohrprofil nur als 30-Zentimeter-Abschnitt auftauchte. Genau hier setzt der CPT-Versuch an. Statt punktueller Proben liefert die Drucksondierung ein lückenloses Tiefenprofil des Spitzendrucks und der lokalen Mantelreibung. Gerade im Lahn-Diluvium mit seinen wechselnden Kies-Ton-Lagen, wie wir es vom Marburger Rücken bis runter zur Lahn kennen, ist das für den Statiker Gold wert.
Das Team bringt den 20-Tonnen-Sondier-LKW direkt auf die Baustelle – auch enge Altstadtgassen in Oberstadt und Weidenhausen sind mit dem geländegängigen Raupenfahrzeug erreichbar. Vor der Sondierung klären wir mit dem Kampfmittelräumdienst Hessen die historische Luftbildauswertung ab, denn Marburgs Bahnhofsviertel und die ehemaligen Tannenberg-Kasernen sind kampfmittelverdächtige Zonen. Nach jeder Sondierung füllen wir das Loch mit einer Ton-Zement-Suspension als Grundwassersperre, damit keine Vernässung in die Baugrube der Nachbarparzelle läuft. Kombiniert mit einer Korngrößenanalyse aus den wenigen gestörten Proben, die wir parallel ziehen, entsteht ein vollständiges Baugrundmodell für die Tragwerksplanung.
Ein Meter CPT-Profil sagt mehr über die Tragfähigkeit als drei Meter Bohrkerne – weil wir die Reaktion des Bodens messen, nicht nur sein Aussehen.
